interSPA-Gruppe stellt sich in Eigenverwaltung neu auf

Die interSPA-Gruppe nutzt ein Eigenverwaltungsverfahren, um sich zu sanieren. Die Geschäftsführung hat heute beim Amtsgericht Stuttgart einen entsprechenden Antrag gestellt.

ERSTELLT AM 24. September 2020

Die Gruppe betreibt sechs Familien- und Erlebnisbäder und Thermen (Hansestadt Wismar, Sonthofen, Bad Liebenwerda, Ingolstadt, Marktheidenfeld, Backnang) sowie auch seit einigen Jahren ein 4-Sterne-Hotel (Wismar). Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 600 Mitarbeiter.

Wir gehen davon aus, dass der Sanierungsprozess und das Eigenverwaltungsverfahren bereits im ersten Halbjahr kommenden Jahres abgeschlossen werden können.“ Volker Kurz

„Alle laufenden Geschäftsbetriebe bleiben während des Sanierungsprozesses geöffnet und werden in vollem Umfang fortgeführt“, betonte interSPA-Gründer und -Geschäftsführer Volker Kurz. „Für die Besucher und Gäste ergeben sich keinerlei Einschränkungen. Wir gehen davon aus, dass der Sanierungsprozess und das Eigenverwaltungsverfahren bereits im ersten Halbjahr kommenden Jahres abgeschlossen werden können.“

interSPA war vor der Corona-Krise eine kerngesunde Unternehmens-Gruppe. Infolge des Corona-bedingten Shutdowns mussten jedoch alle in Betrieb befindlichen Freizeitbäder sowie das Hotel vollständig schließen. Während dieser dreieinhalb Monate dauernden Phase konnten die Gruppen-Unternehmen keinerlei Einnahmen erwirtschaften – bei gleichzeitig weiterlaufenden Kosten in erheblichem Umfang.

Für die Dauer des Verfahrens ist mit Dr. Robert Tobias von der Sanierungsberatung „Restrukturierungspartner“ ein renommierter deutscher Sanierungsexperte in die Geschäftsführung der interSPA-Gruppe eintreten. Ergänzend unterstützt der bekannte Insolvenzrechtsexperte Holger Leichtle von der Kanzlei GÖRG als Generalbevollmächtigter die Geschäftsführung. Tobias und Leichtle werden u.a. die Geschäftsführung bei der Entwicklung des Sanierungsplans beraten, der in den kommenden Monaten in Abstimmung mit den Gläubigern entwickelt wird und der die Grundlage für die Sanierung der Gruppe bildet.

„Die interSPA-Gruppe ist eine grundsolide Unternehmensgruppe, die ausschließlich durch die Corona-Krise in diese Situation geraten ist.“ Dr. Robert Tobias

„Die interSPA-Gruppe ist eine grundsolide Unternehmensgruppe, die ausschließlich durch die Corona-Krise in diese Situation geraten ist“, betonte Robert Tobias gestern in Stuttgart am Sitz von interSPA. „Das Eigenverwaltungsverfahren bietet der Gruppe genau das richtige Instrumentarium, um sich zu sanieren und neu aufzustellen. interSPA wird aus dem Eigenverwaltungsverfahren wieder als eine gesunde und profitable Unternehmensgruppe hervorgehen.“

Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung handelt es sich um ein klar strukturiertes Verfahren, mit dem sich Unternehmen binnen weniger Monate grundlegend restrukturieren und sanieren können. Die interSPA-Gruppe wendet damit ein speziell im deutschen Recht vorgesehenes Sanierungsinstrument an, das die Umstrukturierung von Unternehmen erleichtern und beschleunigen soll, die zwar finanziell unter Druck stehen, aber operativ gesund sind.

Die unternehmerische Verantwortung bleibt während des Sanierungsverfahrens weiterhin in den Händen des Unternehmens selbst (“Eigenverwaltung”). Entsprechend gibt es auch keinen Insolvenzverwalter, sondern lediglich einen gerichtlich bestellten „Sachwalter“, der ähnlich wie ein Aufsichtsrat das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das zuständige Gericht den bekannten Stuttgarter Sanierungsexperten Jochen Sedlitz von der Kanzlei MENOLD BEZLER.

„Alle haben der Geschäftsführung und dem Unternehmen ihre volle Unterstützung zugesagt und angekündigt, unverändert mit interSPA zusammenarbeiten zu wollen.“ Holger Leichtle

Die Geschäftsführung hat bereits damit begonnen, Gespräche mit wichtigen Partnern und Lieferanten zu führen. „Die Reaktionen waren äußerst positiv“, so Holger Leichtle. „Alle haben der Geschäftsführung und dem Unternehmen ihre volle Unterstützung zugesagt und angekündigt, unverändert mit interSPA zusammenarbeiten zu wollen.“

Die rund 600 Mitarbeiter wurden an allen Standorten über den Stand der Dinge und die weiteren Schritte unterrichtet. Die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer sind für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Alle Bäderprojekte wurden in der Vergangenheit als Public-Private-Partnership-Modell (PPP-Modell) zusammen mit der jeweiligen Kommune konzipiert, finanziert und errichtet. Hierfür stellten die Kommunen der interSPA-Gruppe städtische Grundstücke im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags zur Verfügung gestellt. Als privater Betreiber gewährleistet die interSPA-Gruppe im Gegenzug für die Kommunen das Schul- und Vereinsschwimmen und übernimmt insofern eine kommunale Aufgabe. Gleichzeitig erhalten die Kommunen Planungssicherheit für den städtischen Haushalt.