Münchener Restrukturierungsforum: Wer überlebt und wer wird abgewickelt? – Die Zukunft der Finanzbranche

„Wer überlebt und wer wird abgewickelt? – Die Zukunft der Finanzbranche“ lautete das Thema des 14. Münchener Restrukturierungsforums am 5. November 2018. Das Podium war sich einig, dass die Bankenwelt vor großen Umbrüchen steht und moderne FinTech-Unternehmen davon profitieren.

Andreas Warner (Leiter Restructuring Services, Deloitte) begrüßte über 100 Gäste und leitete zu der Frage über, wie die Zukunft der Finanzbranche aussehen werde angesichts niedriger Zinsen, hoher Kosten und stark wachsender Fin-Tech-Unternehmen. Jamal El Mallouki (Geschäftsführer, CrowdDesk GmbH & Vorstandsvorsitzender, Bundesverband Crowdfunding e.V.) kritisierte das bisherige Bankensystem schon zu Beginn seines Impulsvortrags stark. So gut wie alle klassischen Bankaufgaben würden heute bereits von FinTech-Unternehmen angeboten. „Eigentlich stehen wir im Finanzdienstleistungssektor dort, wo wir im stationären Einzelhandel Anfang der 2000er Jahre standen“, so El Mallouki. Die klassische Bank definiere sich immer noch über ihr Filialnetz und FinTechs böten dieselben Leistungen zu viel geringeren Kosten 24 Stunden am Tag im Netz an. Noch sei nicht klar, welche FinTechs die Amazons und Zalandos des Bankenwesens werden würden und welche Banken wie Neckermann vom Markt verschwinden werden. El Mallouki, der sich, bezogen auf die Referenten und Gäste des Abends, kokett als „Quoten-FinTechler“ bezeichnete, rechnete zudem mit häufigen Gegenargumenten der traditionellen Geldhäuser ab. Wenn FinTech als „nur vorübergehender Trend“ bezeichnet werde, geschehe dies in Unkenntnis der Bedeutung, die FinTechs bereits für Finanzdienstleistungen hätten und sei letztlich nur ein Zeichen von Angst. Auch seien FinTechs hinsichtlich der von ihnen angebotenen Produkte in gleicher Weise vom Staat reguliert wie auch Banken, sodass diese nicht mit dem Finger auf die angeblich unregulierte FinTech-Branche zeigen sollten. El Mallouki kam daher zu der These, dass Banken ihre Geschäftsmodelle massiv überdenken müssten und viele Geldhäuser in Zukunft einfach nicht mehr gebraucht würden. Hingegen werde sich der rasante Aufstieg des FinTech-Marktes seit 2011 weiter fortsetzen.

Dr. Jan Tibor Böttcher (Direktor, Bundesverband deutscher Banken e.V.) räumte in der anschließenden Podiumsdiskussion ein, dass der Banksektor derzeit einem großen Wandel unterliege. Die Banken stünden nicht nur wegen des wachsenden Marktes der FinTechs unter Druck, sondern auch wegen der aktuellen Niedrigzinspolitik und der angespannten internationalen Marktlage. Deshalb sei es seiner Ansicht nach wichtig, die Synergien zu heben, indem FinTechs weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als Kooperationspartner für Banken betrachtet werden sollten. Gleichzeitig wies Böttcher aber auch darauf hin, dass große Geschäftsbanken junge FinTech-Unternehmen nicht einfach kopieren könnten. „Es macht eben einen Unterschied, ob ich ein Produkt aus einer Garage heraus an wenige Kunden vertreibe und dabei ohne großes Medienecho scheitern kann oder ob schon geringste Fehler das Vertrauen von Millionen von Kunden ruinieren könnten“, so Böttcher. Banken müssten daher auf verschiedenen Ebenen auf die derzeitigen Herausforderungen reagieren. Kostensenkungen seien dabei derzeit ein wichtiger Hebel. Eine andere mögliche Reaktion seien Zusammenschlüsse einzelner Institute. Trotzdem sieht er die Zukunft nicht nur in Fusionen von Banken: European Champions seien nicht immer sinnvoll. „Die Größe allein macht’s nicht“, so der Direktor.

Richard Groeneveld (unabhängiger Senior Advisor Financial Services & ehemaliger Bank-Vorstand) stieß in das gleiche Horn: 1.700 Banken in Deutschland seien drei bis zehn Mal zu viele. „Im Bereich der Landesbanken und der Genossenschaftsbanken rollt eine große Konsolidierungswelle auf uns zu“, so Groeneveld. Gerade lokale Banken sollten aber nicht nur auf Fusionen setzen. Sie müssten ihre institutseigenen Stärken herausarbeiten und dabei konkret mit FinTechs kooperieren. So könnten auch für totgeglaubte Banken neue Chancen entstehen.

El Mallouki prognostizierte zum Abschluss einige große Abwicklungsfälle in der Bankenwelt und dass es in fünf Jahren nur noch 1.200 Banken in Deutschland geben werde. Groeneveld erwartete zwar ebenfalls ein Bankensterben, sah jedoch „Platz für viele Spieler, so dass unterschiedliche Player nebeneinander bestehen können“. Das brachte die beiden Moderatoren der Panel-Diskussion, Burkhard Jung (Restrukturierungspartner) und Thomas Schädle (anchor Management GmbH), zu dem süffisanten Schluss: „Vielleicht werden die zunehmende Vernetzung unseres Alltags und die Angebote von FinTech-Unternehmen unsere Einstellung zu Banken so radikal ändern, dass bald schon unser Staubsauger unsere Bankgeschäfte erledigt – und das viel rationaler, als wir das je könnten.“

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