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Hamburger Restrukturierungsforum: Norddeutsche Branchen im digitalen Umbruch – wer zu spät kommt …

Das Hamburger Restrukturierungsforum fand am 29. Oktober 2019 zum vierten Mal statt und widmete sich dem spannenden Thema „Norddeutsche Branchen im digitalen Umbruch – wer zu spät kommt ...“. Rund 85 Gäste verfolgten die lebhafte Diskussion um die aktuellen Herausforderungen der Branchen zum Thema Digitalisierung. Wichtige Erkenntnisse des Abends: Unternehmen müssen – branchenunabhängig – der Digitalisierung eine große Bedeutung beimessen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und Digitalisierungsprojekte müssen richtig umgesetzt werden.

Nach den einleitenden Worten von Dr. Gunnar Gerig (Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) führte Franziska von Lewinski (Vorstandsmitglied, fischerAppelt) mit ihrem Impulsvortrag in das Thema des Abends ein. Von Lewinski stelle zunächst klar, dass der digitale Wandel allgegenwärtig sei und sowohl kleine als auch große Unternehmen betreffen würde. Sie berichtete, dass vier von fünf IT-Projekten scheiterten und spannte so den Bogen zur Sanierungs- und Insolvenzbranche. Nach Meinung der Digitalisierungsexpertin sei ein Grund für das Scheitern, dass Projekte nicht modulartig und agil genug durchdacht würden. Außerdem müssten Unternehmen sich über die konkreten Veränderungen und die Konsequenzen des digitalen Umbruchs im Klaren sein. Die Kultur des Unternehmens müsse permanenten Wandel zulassen, um mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt halten zu können. Ganz entscheidend sei aber auch, die Mitarbeiter in den Prozess der Digitalisierung zu integrieren. Als Beispiel für einen gelungenen digitalen Umbruch führte von Lewinski u. a. den Fotodienstleister Cewe an. Cewe habe den Sprung vom analogen hin zum digitalen Foto erfolgreich gemeistert. Von Lewinski gab allerdings zu bedenken, dass die Digitalisierung als Teil der Unternehmensstrategie bei nur 45 Prozent der Unternehmen vorkommen würde. Anhand von Grafiken machte sie deutlich, dass digitale Leader im Hinblick auf Umsatz- und Gewinnwachstum deutlich erfolgreicher sind.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Dr. Steffen Koch (hww hermann wienberg) und Dr. Stefan Weniger (Restrukturierungspartner) moderiert, in der die Branchenexperten von ihren umfangreichen Digitalisierungserfahrungen berichteten. Dr. Arnt Vespermann (CEO, Hamburg Süd) erläuterte, dass die Digitalisierung auch in die Schifffahrtsbranche Einzug gehalten habe. Die Buchung, welche u. a. die Erfassung komplexer Schiffsrouten berücksichtigt, sei nunmehr vollständig digitalisiert. Vespermann berichtete, dass Hamburg Süd alle seine Kühlcontainerboxen mit digitalen Devices ausgestattet habe. Kunden könnten künftig über eine App sehen, wo sich ihre Güter befinden. Vespermann stellte klar, dass der Kunde in Hinblick auf die Digitalisierung einen perfekten Prozess erwarte. Damit die Digitalisierungsprojekte erfolgreich sein können, appellierte er an die Interdisziplinarität der beteiligten Teams: „Teams müssen besser untereinander kommunizieren!“, forderte der Schifffahrtsexperte.

Johan Zevenhuizen (Director Business Development Digital Services, Fichtner GmbH & Co. KG) berichtete, dass auch die Energieversorger vor der Herausforderung stehen würden, ihre Kunden digital zu erreichen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Vor allem müssten sie die konkreten digitalen Kundenbedürfnisse identifizieren und auf diese dann, beispielsweise mit einer Vielzahl von modernen Bezahlmethoden über verschiedene (Social Media) Kanäle, flexibel eingehen. Außerdem sollten Chatbox-Funktionen und digitale Verbraucherbeteiligungsmodelle von einem Energiedienstleister eingesetzt werden. „Nur so können Unternehmen ihre Kunden langfristig binden und konkurrenzfähig bleiben“, so Zevenhuizen. Der Experte empfahl außerdem, die Mitarbeiter auf den digitalen Umbruch vorzubereiten und ihnen die Bedeutung der Digitalisierung immer wieder zu verdeutlichen. Weiterhin regte er an, „Digital Youngsters“ für Digitalisierungsprojekte an Bord zu holen oder in einen Beirat zu berufen.

Johannes Hack (Partner, etventure GmbH) brach eine Lanze für die Gründer: Unter Zeitdruck, begrenztem Budget und erhöhtem Risiko müssten Gründer häufig Entscheidungen treffen. Hierfür seien moderne Innovationsmethoden entwickelt worden, die auf 100 Prozent Nutzerzentrierung und iteratives Testen mit einfachen Prototypen setzen würden. Nur bei Validierung der Ideen durch Prototypen in einem sehr frühen Stadium würden diese weiterverfolgt. „Fail fast, fail cheap!“, lautete
der Rat des Digitalisierungsberaters an dieser Stelle. Die Herausforderung in der Zusammenarbeit mit Corporates an Start-ups sei, dass Corporates oftmals sehr auf Assets fixiert seien, Start-ups häufig jedoch an völlig neuen Geschäftsmodellen arbeiteten. Wichtig sei hier die Einschaltung von Experten, die beide Seiten kennen und bewährte Rahmenwerke für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bereitstellen würden. Hack betonte, dass vor allem der Mensch eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten spiele. Problematisch sei dabei, dass die Mitarbeiter und ihre Befürchtungen oft nicht ausreichend adressiert würden. Hier habe sich bewährt, frühzeitig Betroffene zu Beteiligten zu machen. Besonders wichtig sei die Erlernung neuer Innovationsmethoden „on thejob“, die Mitarbeiter direkt in Digitalprojekten einbinden würden. Zudem seien Digitalisierungsprojekte oftmals auf der mittleren Führungsebene angesiedelt und Führungskräfte mit dem Thema Digitalisierung nicht immer ausreichend vertraut. Daher sei es entscheidend, auch Führungskräfte durch maßgeschneiderte Programme auf die Anforderungen beim Aufbau vom Digitalgeschäft vorzubereiten. Wie bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsideen habe sich auch beim Aufbau von agilen Organisationsstrukturen bewährt, diese zunächst in einer Testphase zu starten und in Folge kontinuierlich zu verbessern. Eine ähnliche Meinung hatte auch von Lewinski: Sie rief dazu auf, dass Ideen unbedingt ausprobiert werden müssten. Auch die Digitalisierungsexpertin forderte, dass das interdisziplinäre Arbeiten verstärkt werden müsse.

Am Ende des Abends lautete das Fazit des Podiums, dass die Digitalisierung ein unausweichliches Thema für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen darstellt. Besonders neuartige Digitalisierungsprojekte müssen sich durch interdisziplinäres Arbeiten ergänzen und so ausgelegt sein, dass sie frühzeitig zu geringen Kosten scheitern können. Zum Abschluss resümierte Dr. Thorsten Bieg (GÖRG Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB) die Podiumsdiskussion und leitete zum Get-together über.

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Das Hamburger Restrukturierungsforum ist eine Plattform für Experten der Branche und wird von
Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, GÖRG Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB, hww hermann wienberg wilhelm, Restrukturierungspartner und White & Case veranstaltet. Es bringt einmal im Jahr alle an der Sanierung eines Unternehmens Beteiligten zusammen. Hochrangige Gäste stellen aus verschiedenen Blickwinkeln ein aktuelles Thema vor und teilen ihr Expertenwissen mit den Gästen in der Diskussion. Im Herbst 2020 findet das nächste Hamburger Restrukturierungsforums statt. Weitere Informationen finden Sie unter: www.hamburger-restrukturierungsforum.de 

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