Was bedeutet der präventive Restrukturierungsrahmen für Gläubiger?

Mit der Einführung des präventiven Restrukturierungsrahmen steigt die Anzahl der möglichen Sanierungswege in Deutschland. Für Gläubiger bedeutet das, dass Restrukturierungen zukünftig komplexer werden. Wer zukünftig Restrukturierungen maßgeblich und aktiv mitgestalten möchte, muss sich auf den präventiven Restrukturierungsrahmen und dessen Auswirkungen einstellen.

Mit dem präventiven Restrukturierungsrahmen tritt ein weiteres Sanierungsinstrument in Kraft, das zwischen der außergerichtlichen Restrukturierung und dem sanierenden Insolvenzverfahren angesiedelt ist. Für Gläubiger wird die Sanierung dadurch komplexer, da nicht auszuschließen ist, dass Unternehmen alle drei Instrumente nutzen. Gläubiger müssen sich ihrer Chancen und Risiken jeweils sehr bewusst sein, um ihre Positionen bestmöglich beurteilen zu können. Gefahr für Missbrauch ist bei guter Beratung der Unternehmen nicht gegeben – vielmehr überwiegen die Chancen auch für die Gläubiger.

Restrukturierungen werden komplexer

Während früher der Konkursantrag gleichbedeutend mit der Abwicklung des Unternehmens war, wurde durch Insolvenzordnung und ESUG das Insolvenzverfahren als echtes Sanierungsverfahren etabliert. Mit allen Stärken und Schwächen ist es in bestimmten Fällen bestens geeignet, Unternehmen zu sanieren. Schon heute ist es so, dass Gläubiger auch darüber nachdenken müssen, was mit ihren Forderungen passiert, wenn sich das Unternehmen zur Restrukturierung der Instrumente der Insolvenzordnung bedient. Zukünftig kommt ein weiterer Sanierungsweg hinzu: der präventive Restrukturierungsrahmen, der geeignet ist, opponierende Gläubiger mit in die Sanierungslösung einzubinden.

Gläubiger müssen schon zu Beginn von Sanierungsgesprächen bedenken, was die wesentlichen Mechanismen des präventiven Restrukturierungsrahmens für sie bedeuten:

  • Der Unternehmer bleibt auf dem „Driver Seat“: Besteht hier ausreichendes Vertrauen oder ist es notwendig, einen Restrukturierungsbeauftragten einsetzen zu lassen?
  • Ist der begleitende Berater fähig, alle drei Sanierungswege zu begleiten?
  • Was bedeutet ein mögliches Moratorium für den jeweiligen Gläubiger konkret?
  • Wie sieht es mit Neufinanzierungen in allen Restrukturierungsweg aus?
  • Wird es möglichweise zukünftig so sein, dass gleich zu Beginn der Restrukturierungsgespräche die verschiedenen Sanierungsvarianten:
    - Außergerichtliche Restrukturierung
    - Präventiver Restrukturierungsrahmen
    - Sanierendes Insolvenzverfahren

einander gegenübergestellt und gegeneinander abgewogen werden?

Insgesamt steigt also die Zahl der möglichen Sanierungswege. Gläubiger müssen sich darauf einstellen, wenn sie auch zukünftig die Restrukturierungen maßgeblich und aktiv mitgestalten wollen.

Keine Angst vor Missbrauch: Die Chancen überwiegen

Immer, wenn Neuerungen im Sanierungsrecht eingeführt wurden, wurde die Warnung vor dem Missbrauch dieser neuen Möglichkeiten laut. Zuletzt im Rahmen der Einführung des ESUG. Daher hat sich der Gesetzgeber damals schon im Vorfeld des Inkrafttretens dieser bedeutenden Veränderung des Insolvenzrechts entschieden, nach einer Phase von 5 Jahren eine Überprüfung des Gesetzes vorzunehmen.

Diese Überprüfung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Missbrauch der sehr robusten Möglichkeiten des ESUG in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle keine Rolle spielt. Grund dafür ist die in Deutschland sehr intakte Sanierungskultur, die dazu führt, dass die Stakeholder im Rahmen eines Sanierungsprozesses mit großer Professionalität miteinander umgehen und die „schwarzen Schafe“ sehr schnell identifiziert werden.

Für den präventiven Restrukturierungsrahmen bedeutet dies zweierlei: Zum einen natürlich, dass sich die Gläubiger intensiv mit den Inhalten dieses neuen Gesetzes befassen müssen. Sonst haben Sie keine Möglichkeit, während des Prozesses aktiv, transparent und „im Sinne der Sache“ mitzuarbeiten. Zum anderen aber auch, dass sie dem präventiven Restrukturierungsrahmen mit einem gewissen Maß an Vertrauen entgegensehen sollen. Denn schon beim ESUG hat sich gezeigt, dass am Ende die Beteiligten ein gutes Miteinander gefunden haben, das Sanierungen besser und nicht schlechter gemacht hat.

Dann liegt in dem präventiven Restrukturierungsrahmen die große Chance, dass sich Unternehmer rechtzeitig in ein gerichtliches und normiertes Sanierungsverfahren begeben – befreit vom Stigma der Insolvenz. Das schafft Vertrauen und ist Voraussetzung für bestmögliche Ergebnisse.

Die wesentlichen Grundlagen für eine derart erfolgreiche Restrukturierung werden im Vorfeld des Eintritts in den präventiven Restrukturierungsrahmen gelegt:

  • Laufende Kommunikation zwischen Unternehmern und Gläubigern
  • Belastbare Planung
  • Konkrete Idee von der Restrukturierung, deren wesentlichen Inhalte unstrittig sind
  • Klare Kriterien, warum gerade der präventive Restrukturierungsrahmen das bevorzugte Mittel zur Umsetzung des Konzeptes ist

Liegen diese Voraussetzungen vor, sollte keine Sorge vor Missbrauch bestehen. Im Gegenteil: Es herrscht die berechtigte Erwartung, dass der präventive Restrukturierungsrahmen auch aus Sicht der Gläubiger zu guten Sanierungslösungen verhilft.